Instant Payments – die Zukunft im Bezahlverkehr?

Ein unverzichtbares Element beim stationären- oder online Shopping ist der Bezahlvorgang. Schon jetzt gibt es viele Möglichkeiten die Zahlung zu tätigen. Neben Zahlungen per Kreditkarte, Rechnung oder Lastschrift sind aber auch E-Wallets wie PayPal sehr beliebt (siehe Infobox).

Einen Durchbruch konnten die digitalen Bezahlungsmethoden, die auch mobil über das Smartphone genutzt werden können, allerdings noch nicht erzielen. In Deutschland sind Sicherheitsbedenken bei der Nutzung solcher Dienste noch weit verbreitet. So sehen nach einer Studie des EHI Retail Instituts rund 56 % Sicherheitsbedenken als größtes Problem bei der Verbreitung von Mobile Payment an. Immerhin 26 % bemängeln die ausreichende Bekanntheit von Anbietern und 17% fehlende Marktstandards als weitere wichtige Hinderungsgründe. Viele Konsumenten sehen außerdem noch nicht den Nutzen und vertrauen daher altgedienten Zahlmethoden, kurz: Bargeld.

Wenn es nach der Europäischen Zentralbank (EZB) geht, soll im November 2018 noch eine weitere Bezahlart dazukommen. TARGET Instant Payments Settlement (TIPS) soll der neue Dienst heißen, der verspricht Zahlungen in Echtzeit abzuwickeln. Bislang musste man gewöhnlich einen Werktag warten, bis die Bezahlung den Begünstigten erreicht. Mit dem neuen Dienst, der rund um die Uhr und an 365 Tagen verfügbar ist, fällt diese Wartezeit weg. Auch im B2B Bereich kann dieser Echtzeitfaktor eine spannende Rolle spielen, da Unternehmen wesentlich schneller Geld zur Verfügung haben werden und damit weiterarbeiten können. Die Umsetzung von TIPS könnte auf zwei Arten erfolgen. Entweder „End-to-End“, das heißt Banken gehen mit Zahlungen ins sofortige Clearing, damit unverzüglich das Settlement durchgeführt werden kann. Oder die Umsetzung erfolgt durch ein Garantiemodell. Banken sprechen sich gegenseitige Garantien aus, die ihnen erlauben, auch gegenüber dem Zahlungsempfänger eine Garantiezusage zu tätigen. So wird eine „near-instant“- Lösung erreicht.

Vorteile

  • Zahlungen sind 24/7 mit unmittelbarem Geldtransfer möglich
  • Erhöhte Flexibilität und Komfort
  • Unmittelbare, mobil gestützte Person-to-Person Zahlungen
  • Notfallzahlungen sind jederzeit möglich
  • Innovative Zahlungsmethoden über Smart Devices werden Realität

Vorteile von Instant Payment für Unternehmen und Regierungen

  • Verbesserter Zahlungsverkehr und Prozess von Zahlungsabgleichungen
  • Erhöhte Effi zienz von E-Invoicing und E-Billing
  • Reduzierter Zahlungsverzug und beschleunigte Zahlung von Rechnungen
  • Optimierung des Onlinehandels mit Gütern und Dienstleistungen und Senkung des finanziellen Risikos durch Freigabe (nur) bei gleichzeitiger Zahlung
  • Beschleunigter Check out am stationären POS

Nachteile

  • Vergleichsweise geringe Akzeptanz von Mobile und Instant Payment Prozessen in Deutschland
  • Steigende Sicherheitsbedenken
  • Hohe Investitionen notwendig, um die Infrastruktur für die schnelle Abwicklung zu schaffen.
  • Herausforderungen bei der Integrierung in bestehende Prozesse
  • Bisher nur rein innereuropäische Umsetzung

Die Einführung des Instant Payment Dienstes würde für viele Anspruchsgruppen enorme Vorteile mit sich bringen. Die Umsetzung wird allerdings sehr aufwändig werden. So muss bspw. die gesamte System- und Prozesslandschaft angepasst werden. Auch Entwicklungen wie Know Your Costumer (KYC) und Limitprüfungen müssen an die neuen Gegebenheiten angepasst werden. Das Thema Mobile Payment hat also neben der grundsätzlichen Akzeptanz in Deutschland auch noch einige Hürden zu meistern. Aber – die Zuwachsraten zeigen es – auch in Deutschland wird Mobile Payment eine relevante Größe werden.

Google Pay in Deutschland

Nun kommt doch noch Bewegung in den bisher eher langsam wachsenden Mobile Payment Markt Deutschland: Google launcht mit Google Pay hierzulande einen Dienst, der auch die Nutzer begeistern könnte, die bisher nicht mit der mobilen Art zu zahlen liebäugeln.

Fast 70%* der Smartphone-Nutzer nutzen bereits ein Android-Betriebssystem auf ihrem Smartphone, das von Google selbst bereitgestellt wird und für die Nutzung von Google Pay Voraussetzung ist. Auf diese Art und Weise teilen die Nutzer bereits diverse Daten mit Google.Diese Tatsache könnte die bequeme Art, mobil mit dem Smartphone über Google Pay in einigen Geschäften und auf Webseiten (u. a. Media Markt, Aldi, Lidl, McDonalds)** zu bezahlen, ohne die Daten mit weiteren Drittanbietern zu teilen, insbesondere Android-Nutzern schmackhaft machen. Google Pay greift dabei einfach auf die Karten zurück, die im Konto hinterlegt sind.

Jetzt werden die klassischen Banken als auch bspw. Apple stärker unter Druck geraten, ihre Dienste ebenfalls für das Bezahlen mit dem Smartphone in Deutschland bereitzustellen. Der digitale Wandel im Finanzsektor wird dadurch deutlich an Geschwindigkeit zunehmen und auch die generell eher skeptischen und kritisch eingestellten deutschen Nutzer werden ihre Berührungsängste langsam verlieren.

https://de.statista.com/statistik/daten/studie/184332/umfrage/marktanteil-der-mobilen-betriebssysteme-in-deutschland-seit-2009/
** https://pay.google.com/intl/de_de/about/where-to-use/

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Jannik Reuter

Junior Referent Digital

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